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nachstehend aufgeführte texte werden auf nachfrage gerne zugesandt.

hyperkomplexismus als kleber
2016, vortrag bei der „ersten internationalen tagung für manierismusforschung“ frankfurt/main

wirklichkeitskonzeptionen und wahrhaftigkeitszwang im erinnernden theater: eine kritik am beispiel der performance jascha sommer, 29
2016, 35 seiten inkl. anhang
entstanden im rahmen des masterstudiums angewandte theaterwissenschaft
ausgangspunkt dieser arbeit war ein gespräch zwischen mir und dem essener theaterkünstler jascha sommer, in dessen arbeiten erinnerung von verschiedenen menschen mit unterschiedlichen lebenshintergründen eine wichtige rolle spielt. ausgehend von der fragestellung, wie es künstlerisch gelingen kann, den menschen mit seiner geschichte und seinen sorgen und ängsten als theatrales sujet einzusetzen, ohne ihn aber zu objektifizieren oder zu dramatisieren, entwickelte sich unser gespräch in richtung einer diskussion um die wahrhaftigkeit dessen, was in einem theater gezeigt wird, das raum bietet für erinnerungen und zugleich aus solchen geschaffen wird: warum wollen wir das glauben, was uns als „erinnerung“ präsentiert wird? ist es wichtig, dass dieses präsentierte wahr ist? wie lässt sich die wahrhaftigkeit dessen belegen? wo stoßen wir mit unserem wunsch nach wahrhaftigkeit an praktische und/oder moralische grenzen? wer profitiert von erinnerungen, die als wahr oder als unwahr angenommen werden? zahlreiche assoziationen öffnen sich im nachhall dieser fragen und reich von byung-chul han (als kritiker des wahrhaftigkeitszwangs) über den heidelberger philosophen und sinologen christian unverzagt (als theoretiker eines gruppeninternen kollektivgedächtnisses, dessen erinnerungsraum sich in fluiden symbolen manifestiert und jede beleg- und wiederholbarkeit negiert) und facebook (als profilorientierter erinnerungsraum) bis hin zur systematischen anzweiflung von erinnerungsberichten als politisches werkzeug, das vor allem die nationalistischen rechtspopulistischen und identitären bewegungen einsetzen. letzten endes führen diese fragestellungen außerdem zwangsläufig zu der grundsätzlichen frage, wie wir uns ein theater, das sich um erinnerungen dreht, als ein ideenforum für die gestaltung der zukunft brauchbar machen können, ja, wie überhaupt ausgehend von erinnerungen und vermittels der aus ihnen erwachsenden, zukunftsgerichteten wünsche, sorgen und ängste einerseits und durch ihre kategorische anzweiflung andererseits utopien und dystopien geschaffen werden können. für und wider der notwendigkeit von belegbar wahrhaftiger, geäußerter erinnerung möchte ich in dieser arbeit anhand gegensätzlicher theorien des erinnerns diskutieren und abschließend meine schlussfolgerungen am beispiel von jascha sommers arbeit jascha sommer, 29, in denen der künstler selbst die rollen sich erinnernder individuen annimmt, auf ihren praktischen gehalt hin untersuchen.

lars von triers melancholia (2011): pathos, passivität und affektion
2016, 26 seiten inkl. anhang
entstanden im rahmen des masterstudiums angewandte theaterwissenschaft
spätestens mit der veröffentlichung von antichrist im jahr 2009 trat der dänische regisseur lars von trier in eine phase seines schaffens ein, die die oftmals schroff-spartanische, teils an brecht angelehnte ästhetik der früheren, in zeitlicher und ideologischer nähe zum pamphletischen regelwerk dogma 95 entstandenen und in eher alltäglichen lebenssituation und orten angesiedelten filme hinter sich ließ und sich fortan mit opulenten, bildgewaltigen überlänge-kinofilmen existenziellen und weltanschaulichen themenkomplexen wie dem (christlichen) glauben, gut und böse, liebe, begehren und sex, tod und verlust zuwandte. insbesondere mit antichrist und melancholia hat der regisseur, der in einem religiös geprägten umfeld aufwuchs und seit seiner kindheit an schweren depressionen leidet, zwei bedeutungsschwere, mit unzähligen symbolen und referenzen überzogene interpretationen dieser zwei großen themen seines lebens geschaffen. während die religion in antichrist eher in den zusammenhang von neurose und wahnsinn gerückt wird, stellt das portrait der depressiven hauptfigur in melancholia, justine, eine überaus vielschichtige persönlichkeit dar, die eine beinahe übernatürliche kraft auf ihr umfeld ausübt und sich zugleich durch bedingungslose passion und hingabe an ihr schicksal von einer affektiv-psychotischen hilflosen zu einer still liebenden verantwortungsträgerin verwandelt. die vorlegende arbeit will die protagonist*innen des films in hinblick auf ihre konstitutionen und funktionen innerhalb des personellen spannungsgefüges analysieren und das wechselseitige spiel ihrer kräfte herausfiltern. durch a) die bezugnahme auf theorien des pathos und passivität, b) das aufdecken entsprechender anspielungen und referenzen im film sowie c) die interpretatorische einbeziehung christlicher passionsdarstellungen soll auf den folgenden seiten eine umfasende deutung des (er-)leidens als zentrales motiv in lars von triers opus magnum geliefert werden.

hinzu kommen diverse veröffentlichungen in folgenden zeitschriften:

  • musiktexte:
    „mir fehlen die anknüpfungspunkte“ – nachruf auf pierre boulez (2016)
    „keep calm, conceptual natives!“ – statement zum „neuen konzeptualismus“ (2015)
    „die zwei: der echte und der falsche“ – zum fake in neuer musik (2015)
  • seiltanz:
    „from space to space“ – eine kurze kulturpolitische utopie (2016)
  • das magazin der kölner philharmonie:
    „mit sprache“ – zu neue orchesterstücken von irene galindo quero und minkyu kim beim festival acht brücken | musik für köln 2014
    „die rote fahne auf dem klavier“ – zu musik von louis andriessen beim festival acht brücken | musik für köln 2015
    „freiheit, gleichheit, brüderlichkeit“ – zu hans werner henzes „el cimarrón“ beim festival acht brücken | musik für köln 2015
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